08 September 2015

Roadtrip Ostkanada - Baeren statt Belugas in Tadoussac

Auf den letzten Teil unseres Roadtrips der uns heute hoch nach Tadoussac bringt, hatte ich mich besonders gefreut. 
Am morgen stehen wir frueh auf, packen unsere Sachen ins Auto, checken im Hotel aus und steuern erst einmal direkt den naehsten Tim Hortons an, wo wir uns zwei "grand deux-deux" (Double Double Kaffees) und Timbits als kleines Fruehstueck auf die Fahrt mitnehmen. 
Knapp 220 Kilometer Strasse liegen heute vor uns, eigentlich nicht sehr viel, aber die Route 138 ist als einzige Verbindung Richtung Norden oft verkehrsreich und teils nicht gut ausgebaut. Am St. Anne Canyon, den wir uns eigentlich auf dem Weg hatten ansehen wollen, fahren wir vorbei um dafuer spaeter mehr Zeit in Tadoussac zu haben.
Nicht weit hinter Quebec City beginnt die Landschaft abwechslungreich zu werden. Weite kanadische Waelder erstrecken sich entlang der Strasse und die grossen gelben moose-warning signs haeufen sich an der Fahrbahn ...

Nicht weit hinter Quebec City beginnt die Landschaft abwechslungreich zu werden. Weite kanadische Waelder erstrecken sich entlang der Strasse und die grossen gelben moose-warning signs haeufen sich an der Fahrbahn ...

Die Steigungen auf der Strecke sind zum Teil enorm


Die Aussicht die sich uns hier immer wieder auf die steil abfallenden Ufer des immer breiter werdenen St. Lorenz Stroms bietet, ist grandios und wunderschoen


Knapp auf der Haelfte der Strecke sehen wir rechts eine Boulangerie. Hier stoppen wir kurz  und versorgen uns fuer die Weiterfahrt mit Baguette, Apfeltaschen und Schweineoehrchen, ganz frisch und super lecker :) Jetzt ist es nicht mehr weit...


 2 Baustellen lassen den Verkehr fuer einige Zeit stoppen, bevor wir nach ca. 4 Stunden Fahrt die Faehre in Baie-Sainte-Catherine erreichen, die am Ufer schon bereit zum Ablegen ist. Die Faehren fahren alle 15 Minuten,  24/7 und bringen Besucher kostenlos an das gegenueber liegende Ufer. Auf der knapp 10 Minuten dauerenden Ueberfahrt steigen wir aus dem Auto aus und blicken von der Reling ueber das Wasser. Hatten wir gestern noch ueber 30 Grad in Quebec gestoehnt, freuen wir uns jetzt ueber die angenehme, 12 Grad kuehle Luft in Tadoussac. Schade nur, dass sich am Himmel die Sonne nicht ein bisschen blicken laesst...


Tadoussac ist ein winziges Dorf an der Muendung des Saguenay Fjords, das um 1525 aus einer Siedlung baskischer Walfaenger entstanden sein soll. Wahrzeichen des Ortes ist das 1864 im Kolonialstil erbaute Hotel Tadoussac, dessen rotes Dach schon von Weitem zu sehen ist (und schon als Filmkulisse zu John Irving's Hotel "New Hamshire" diente )


Wir suchen kurz das Visitors Center auf und stellen den Wagen dann auf einem kostenlosen Parkplatz ab. Der kleine Ort laesst sich gut zu Fuss erkunden. Auf dem Weg zum Strand kommen wir an einem Friedhof mit der kleinen, 1747  von Jesuiten erbauten Kapelle vorbei, der aeltesten Holzkirche Kanadas 


Beim Betreten der "little Indian's Chapel" beeindruckt mich als erstes die Decke der Kapelle, die in Form eines Bootes gebaut und aus naturbelassenem Holz gefertigt ist. Ich haette gerne eine Kerze angezuendet, aber diese Moeglichkeit gibt es hier, wie in vielen Nordamerikanischen Kirchen nicht. Beim rausgehen hinterlassen wir dafuer eine kleine Spende bei der freundlichen Dame am Eingang 


Old Trading Post
Um 1600 wurde Tadoussac zum ersten Fell-Handelsposten in Kanada


Mit dem Auto fahren wir weiter um uns die naheliegenden Sandduenen anzusehen. Als wir dort ankommen, springen gerade ein paar Paraglider von den Klippen und lassen sich das Ufer entlang gleiten. Der Blick auf das zerklueftete Ufer des Lorenzstroms von hier oben ist beeindruckend schoen


Auf der Fahrt zurueck nach Tadoussac sehen wir 2 Leute am Strassenrand, die auf die gegenueber liegende Wiese blicken. Dann sehe ich es auch... Baeren! Eine Schwarzbaeren Mutter mit 2 kleinen Baerenkindern. Unsere erste Baerensichtung in Kanada in freier Natur. Ich mache ein paar Aufnahmen aus respektvoll gehaltenem Abstand.

Auf der Fahrt zurueck nach Tadoussac sehen wir 2 Leute am Strassenrand, die auf die gegenueber liegende Wiese blicken. Dann sehe ich es auch... Baeren! Eine Schwarzbaeren Mutter mit 2 kleinen Baerenkindern.

Wir beobachten die Baeren Family noch eine Weile, bevor wir wieder weiter in den Ort fahren

Wir beobachten die Baeren Family noch eine Weile, bevor wir wieder weiter in den Ort fahren

Zurueck im Ort gehen wir runter zum kleinen Hafen, von dem aus die Whale-Watching Touren starten. Tadoussac gilt als einer der besten Plaetze fuer Walbeobachtungen. Gelegen an der Muendung zum Saguenay Fjord und des Atlaniks wird hier durch die Gezeiten das Suesswasser des Fjords, mit dem salzigen Meerwasser des Atlantiks vermischt, was das Gewaesser besonders naehrreich und somit zum Anziehungspunkt fuer zahlreiche Walarten macht. Wir hatten vorab ueberlegt, ob wir mit Josephine eine Waltour machen sollten. Kai und ich hatten bereits so eine Whale- Watching Tour mit einem der schnellen Zodiac Boote mitgemacht und waren total begeistert. Mit Josephine halten wir das aber noch fuer keine so gute Idee. Heute begnuegen wir uns mal damit den abfahrenden Touristen zuzusehen...


Tadoussac gilt als einer der besten Plaetze fuer Walbeobachtungen. Gelegen an der Muendung zum Saguenay Fjord und des Atlaniks..

Etwas wehmuetig blicken wir den davon fahrenden Booten hinterher. Wer noch keine solche Tour mitgemacht hat, sollte hier unbedingt die Gelegenheit dazu nutzen!

Wer noch keine solche Tour mitgemacht hat, sollte hier unbedingt die Gelegenheit dazu nutzen!

Wir gehen weiter zum Ufer, an dem lange Holzstege am Wasser entlang fuehren.


Von hier aus gehen wir weiter ueber die ausgewaschenen, glatten Felsen und blicken ueber das Wasser

Von hier aus gehen wir weiter ueber die ausgewaschenen, glatten Felsen und blicken ueber das Wasser

Tadoussac ist einer der wenigen Orte, an dem man Wale auch von Land aus sehen kann. 
Eine Infotafel zeigt die Tiere, die in den Tiefen des St. Lawrence Stroms nach Nahrung suchen und die man dann beim Auftauchen auch von hier aus entdecken kann, Buckelwale, Blauwale, Finnwale, Delphine und natuerlich... die Belugas.


Bei schoenem Wetter kann man hier vor allem gegen Abend viele Menschen auf den sonnenwarmen Felsen sitzen und nach den Walen Ausschau halten sehen. Heute ist ausser uns kaum jemand hier, nur ein paar Leute stehen im kuehlen Wind und suchen in der Ferne nach auftauchenden Finnen und Fluken. Obwohl es inzwischen ziemlich kuehl geworden ist und man nicht nur keine Wale, sondern auch sonst kaum was sehen kann, koennte ich hier ewig bleiben... was Josephine aber weniger aufregend findet:) Also reisse ich mich los und wir machen uns, um Ihr noch ein bisschen Wal-Erlebnis zu bieten, auf den Weg zum Walmuseum von Tadoussac


Das Walmuseum von Tadoussac

Das Walmuseum von Tadoussac


Im Naturkundemuseum in Ottawa hatten wir schon oefters beeindruckt die lebensgrossen Walmodelle und Knochen bewundert. Das Museum hier ist nur sehr klein und besteht nur aus einem Raum. Dafuer ist aber alles in diesem Raum echt und stammt zum groessten Teil von angespuelten Walen vor Ort, ausserdem darf man alles anfassen. Wir sind die einzigen Besucher im Museum und die beiden hier arbeitenden, sehr freundlichen Damen, bemuehen sich sehr um uns. Ich finde besonders die ausgestellten Barten eines Blau- und eines Pottwals interessant, sowas habe ich bisher noch nie "in echt" gesehen, und schon gar nicht angefasst (fuehlt sich ein bisschen an wie ein Borsten eines Strassenbesens :) Auch interessant, die beiden Kiefeknochen, die das Eingangsportal zum Raum bilden.


Anschliessend gehen wir noch in den kleinen Souvenier Shop, wo es ganz interessante Dinge zu ueberraschend kleinem Preis gibt. Blick aus dem Fenster des Museums....


Gegen 18:30 machen wir uns wieder auf den Weg zur Faehre um am gegenueberliegenden Ufer jetzt endlich mal unsere Unterkunt fuer die Nacht zu beziehen. Die Faehren fahren uebrigens alle 15 Minuten, 24 h am Tag und das ganze Jahr durch. Auf der Rueckfahrt bekommen wir durch die tiefhaengenden Wolken noch einmal einen kleinen Eindruck von der Schoenheit des Saguenay Fjords...


Nach knapp 15 Minuten Fahrt legen wir an und wir checken in unserem vorab im Internet gebuchten Motel  "Le Vacancier"  ein. 



Von der unterhaltsamen Dame am Empfang bekommen wir den Zimmerschluessel. Der Raum ist einfach, im Bad broeselt etwas der Putz, aber alles ist supersauber und liebevoll gemacht. Da wir morgen ja leider schon wieder fahren, packen wir gar nicht viel aus, lassen uns kurz auf die sehr bequemen Betten fallen, bevor wir wir mal einen Blick in das zum Motel gehoerige Restaurant begeben. Eigentlich hatten wir gar nicht vor hier etwas zu essen, aber der Mangel an Alternativen und der gemuetliche Eindruck des kleinen Restaurants lassen uns spontan umentscheiden. Bei der Karte sind wir dann sehr ueberrascht, es gibt viele frische Meeres Spezialitaeten zu bezahlbarem Preis. Am Nachbarstisch wird  gerade eine riesige, gut duftende Hummerplatte mit einer Flasche Weisswein serviert. Ganz so krachen lassen wollen wir es nicht, wir bestellen Scampi und Cod, was phantastisch ist. Das Fruestueck am naehsten morgen ist ebenfalls sehr reichhaltig und lecker:)


Als wir uns am Morgen unserer langen Rueckfahrt aufbrechen, prasselt Regen von einem grauen Himmel. Wir hatten gestern also echt richtig Glueck mit unserem "Nur-Wolken" Wetter. 


Trotz des Regens bin ich ein bisschen traurig, dass wir heute schon zurueck fahren muessen. Die Gegend um Tadoussac hat uns total gut gefallen und wir hatten uns eigentlich noch viel mehr vorgenommen. Fuer uns jetzt schon fest, dass wir auf jeden Fall noch einmal, dann mit mehr Zeit wiederkommen werden. 

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